Rückblick "Verzwickt"

Am 13. Februar hatten wir unsere erste Runde im "Reflexionscafé" (technischer: Interdisziplinäre ethische Fallbesprechung) "Verzwickt" im Kardinal König Haus. Teilgenommen haben (neun) Menschen, die sich als Angehörige zuhause um ihre Eltern, den Partner oder die Partnerin kümmern oder professionell als Krankenschwester bzw. Krankenpfleger arbeiten. Geschichten, die "immer noch bewegen" oder auch gegenwärtig noch so offen und verzwickt sind, dass eine Entschiedenheit erst entwickelt werden muss, wurden geteilt und gemeinsam tiefer erkundet.

Drei Hauptwiderspruchsfelder haben quer über die Geschichten bewegt: Erstens, die wirklich schwierige Balance von Nähe und Distanz in der Sorge um andere. Zweitens der oft tragische Widerspruch zwischen "formaler" (Un-)Zuständigkeit und (dennoch) empfundener Verantwortung, drittens die Widersprüche, die sich aus unterschiedlichen sozialen Rollen heraus ergeben, etwa zwischen Angehörigen und direkt Betroffenen.

Stark sind m . E. die Bilder, Figuren und Strategien, die Menschen wählen, um mit solchen Widersprüchen zurecht zu kommen ("Was für ein Mensch möchte ich sein, um ...?"). Darin liegen Selbst-Erkenntnisse für die eigene Rolle und das eigene Leben, die zu vertiefen sich lohnen würden. Z. B. das Bild einer Pflegeassistentin, die - ausgestattet mit wenig Entscheidungsbefugnis angesichts des zweitgenannten Widerspruchsfelds als "Katalysator" verstehen will (oder muss?). In den drängenden existenziellen Situationen am Lebensende mit den Widersprüchen sehen sich andere als "Fels in der Brandung" in dem Sinne, dass, auch wenn Kompromisse und Selbst-Verstellungen notwendig sind, man sich immer seinens ur-eigensten Standpunkts dennoch vergewissert. Neben diesen Bildern sind Strategien - die sich der Moderator auch gern als "lesson learned" mitnimmt - beispielsweise: die Orientierung am bzw. an der "Schwächsten", wenn schwer erträgliche Kompromisse anstehen sowie eine Änderung des Blicks: Was braucht das soziale System in einer Situation (nicht nur diese oder jene einzelne Person)?

 

 

Die Philosophen kommen!

Ja, die Philosophen kommen…

Ob ins Kino - so wie Richard David Precht im Mai ins Wiener Gartenbaukino - http://die-philosophen-kommen.at/2017/02/precht-im-wiener-gartenbaukino-tiere-denken/, ins Theater (Robert Pfaller - http://die-philosophen-kommen.at/category/robert-pfaller/) oder ins Caféhaus - siehe Nacht der Philosophie http://die-philosophen-kommen.at/category/nacht-der-philosophie/) … die Zeit ist überreif für differenziertes Denken. Precht kommt jedenfalls im philosophischen Mai auch wieder nach Wien und spricht vor allem über sein letztes Buch – Tiere denken: Vom Recht der Tiere und den Grenzen der Menschen.

 

Ob TV-Talkshow, Wirtschaftsforum oder Printmagazin – immer häufiger sind es Denker aus verschiedenen Disziplinen, die zu sämtlichen Themen unseres komplexen Lebens befragt werden: Die Philosophen kommen. Und vielleicht sind gerade sie die neuen Vorbilder, die unsere aufgeklärte Welt heute braucht; sind sie es doch, die sich aufs Denken verstehen – aufs Nach-, Quer- und vielleicht auch Umdenken. Im Stillen und in der Öffentlichkeit. 

Marion Fugléwicz-Bren, Journalistin und Autorin, tritt seit Jahren immer wieder in Dialog mit zahlreichen Philosophen und interdisziplinären Experten, die aus ihren höchst unterschiedlichen Perspektiven die Gegenwart und Zukunft unserer Gesellschaft beleuchten. Daraus entstanden seit 2013 bereits zwei Bücher mit essayistischen Interviews; das letzte Buch, Aus.Zeit, enthält ausgewählte Blogbeiträge aus dem gleichnamigen Blog http://die-philosophen-kommen.at/blog/.

Ob Gert Scobel, Konrad Paul Liessmann oder Robert Pfaller – eines eint sie alle: Die Vielfalt der sehr verschiedenen Ansätze, die allesamt das Ziel verfolgen, uns auf lustvolle Weise zu neuen Erkenntnissen zu führen. Ein Privileg, das wir uns vielleicht öfter leisten sollten: Nachfragen, Differenzieren, Zuhören. Oder Lesen… 

Buchinfo und Bestellung: http://die-philosophen-kommen.at/subskription-bestellung/

Philosophieren an Schulen

anders - denken   Keine Zukunft?

Um über Zukunft zu denken schauen meine JungphilosophInnen einen Blick zurück. Früher wäre es wohl für Jugendliche leichter gewesen. Damals hätten die Kinder nicht so viele Entscheidungen treffen müssen, wären strukturierter erzogen worden und hätten klare Zukunftsperspektiven gehabt. Der damals junge Philosoph staunt, ob der klaren Ansage der jungen Denkertruppe ! 

Die Jungen fühlen sich ausgeliefert, ständig Entscheidungen zu treffen, wollen nicht ständig Technik upgraden, um dazu zu gehören, wollen wieder klare verlässliche Begleiter. Meine PhilosophInnen meinen, dass es aus dieser momentanen Gegenwart schwer möglich ist eine angenehme, glückliche Zukunft zu bauen. Irgendwann geht dann nichts mehr weiter, meinen Sie und erahnen den Stillstand bei voller Geschwindigkeit. Gerne würde ich Ihnen mehr Denkraum ermöglichen, mehr "unter Sich sein" und vor allem mehr geborgene Ruhe. 

Philosophisches Gespräch? Ethikberatung? Erzählcafé!

Ein netter Rückblick auf den Abschluss des Projekts "Ethik von unten" - weil einige "Erzählcafés" immer noch bestehen. Zu lernen war unter anderem: Wie der "abstrakte" philosophisch-ethische Zugang "der Universität" übersetzt wird, um verständlich und plausibel zu sein ...

Es ist oft schwer zu sagen, wo "Philosophische Praxis" beginnt bzw. aufhört. Der Begriff bezeichnet irgendwie etwas sehr Spezielles und gleichzeitig etwas sehr Allgemeines, nämlich einfach die Tatsache, dass Menschen sich zu wesentlichen Fragen Gedanken machen. Das Erzählen ist die sichtbarste und fühlbarste Kommunkationsform dabei. Dass 'unterwegs' aber auch immer wieder Dinge "auf den Begriff" gebracht werden, die Entdeckung eines 'adäquaten' Begriffs für die eigene Erfahrung ein befreiendes Erlebnis sein kann, das Ausloten der Facetten und 'Abschattung' eines begrifflich gefassten Phänomens uns auch praktisch weiterbringen kann - das alles ist weit weniger bewusst. (Im Projekt: "Schuld", "Die Langsamkeit des Verstehens im Abschied", "gute Sorge" etc.) Die Definition von der Philosophie als "Klärung unserer (allgemeinsten) Begriffe" setzt spät an im realen Denk- und Kommunikationsprozess. In der Philosophischen Praxis geht es vielleicht auch erst um die Weckung der Aufmerksamkeit (und die Begeisterung) für den Begriff. Die philosophisch-praktische Arbeit (des Begriffs) geht nicht aus ...

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